HeimSpiel - Kunst und Comic zum Thema Wohnen

Die Museen in Ostwestfalen-Lippe, darunter das Stadtmuseum Lippstadt, nehmen sich 2026 unter dem Titel „Home, sweet home“ des Themas „Wohnen“ an. Ohne diese Titelgebung als zynisch oder naiv zu diffamieren, ist aber festzustellen, dass für viele Menschen Wohnen alles andere als „sweet“ ist. Dies, obwohl das Recht auf „ausreichende Ernährung, Bekleidung und Unterbringung“ in Artikel 11 des UN-Sozialpaktes festgeschrieben ist.
Schätzungen zufolge sind weltweit 2026 mehr als 130 Millionen Menschen auf der Flucht. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Geflüchtete zu schützen. Unlängst erst trat das „Gemeinsame Europäische Asylsystem“ in Kraft, das statt auf humanitäre Hilfe auf ein System der Abschreckung, Freiheitsbeschränkung und Entrechtung setzt.

Auch innerhalb Deutschlands ist das Thema Wohnen nicht nur „sweet“. Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Mietwucher und soziale Ungerechtigkeit sind alltäglich. Es fehlen rund anderthalb Millionen bezahlbarer Wohnungen. Die Zahl der „untergebrachten Wohnungslosen“ betrug Anfang 2025 fast 500.000 Menschen.
„Wohnen“ bedeutet Mangel wie Luxus, Heimat wie Heimatlosigkeit, Unabhängigkeit wie Zwangsmaßnahme, Tradition wie Utopie, Idylle wie soziale Differenz. Wohnen bedeutet innere Verfassung und äußere Situation. Der alte Wortstamm „wonen“ hat mit Gewohnheit, Wonne und Wunsch, aber auch mit Gewinnen, ja mit Wahn zu tun.
In erster Linie drückt „Wohnen“ aber Geborgenheit und Schutz aus. Dabei ist die Aktivität des „Wohnens“ und, damit zusammenhängend, des Bauens menschheitsgeschichtlich noch verhältnismäßig jung: Man kann den Beginn heutiger Konzepte von Wohnung und Heimat auf den Beginn der Sesshaftigkeit vor rund 10.000 Jahren datieren. Damit hängt ein Begriff von (Land-) Besitz zusammen, der zum dominanten, schonungslosen Umgang der Menschheit mit dem Planeten und zur Abgrenzung des Eigenen vom Fremden geführt hat.

Mit der Doppelausstellung „HeimSpiel“ beteiligt sich das Stadtmuseum Lippstadt am Themenjahr. Die Ausstellung in der Museumsgalerie im Alten Rathaus zeigt Gemälde, Installationen und Fotografien von fünf Künstler:innen.
Das Palais Rose am Marktplatz präsentiert vier Positionen aus Comic, Cartoon und Illustration.
Der Titel „HeimSpiel“ bezieht sich dabei auf die Vielfalt der Begrifflichkeiten ebenso wie auf das Spektrum der Genres und Ausdrucksformen. „HeimSpiel“ bezeichnet ferner die Dichotomie von Nähe und Distanz zum Geburts- oder Wohnort als eines der Spiel- und Denkfelder der Ausstellung. Der Titel verweist darauf, dass die neun Ausstellenden (und der Kurator) sämtlich der Stadt Lippstadt eng verbunden sind, sei es als Wahlheimat oder als Geburtsort, in Bewegungen „aus Lippstadt hinaus, nach Lippstadt hinein“. (Dirk Raulf, Kurator)

Künstlerinnen & Künstler
Lina Banane
Max Kersting
Maurizio Onano
Willze
Frank Bölter
Jae-Eun Jung
Ralph Merschmann
Claus Richter
Michael H. Rohde

Doppelausstellung vom 4. Juli bis 4. Oktober 2026
Öffnungszeiten „HeimSpiel“:

Museumsgalerie | Altes Rathaus
Di. bis Fr.: 10-12 Uhr & 14-17 Uhr
Sa. und So.: 11-18 Uhr
Lange Str. 14 | 59555 Lippstadt

Stadtmuseum Lippstadt | Palais Rose
Di. bis Fr.: 10-12 Uhr & 14-16 Uhr
Sa. und So.: 11-18 Uhr
Rathausstraße 13 | 59555 Lippstadt

Der Eintritt ist kostenlos.

Die Ausstellungsräumlichkeiten am Standort Stadtmuseum | Palais Rose befinden sich im 1. Obergeschoss und sind leider nicht barrierefrei zugänglich.

Foto: Alice Rzezonka

Begleitprogramm:
Gastspiel PARASYMPATHIKUS

Eine Performance von TUN&LASSEN (@tun_und_lassen)

am 15.08.2026 und am 03.10.2026 jeweils um 12 und 16 Uhr um den Markt-/Rathausplatz

In Kooperation mit dem Kulturrat Lippstadt e.V

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Logo Kulturrat

Inmitten des städtischen Treibens finden zwei Tänzerinnen das, wonach sich viele sehnen: einen Ort der Stille, eine Hülle, ein Zuhause. Ihr Werkzeug: sechs bewegliche Oberflächen aus Pappkarton, die sie als Strukturen, die zwischen Organismus und Architektur changieren, spielerisch, leicht und schützend begleiten. PARASYMPATHIKUS entfaltet sich als leise, zugleich eindringliche Versuchsanordnung im öffentlichen Raum. An einem Ort, der üblicherweise von Bewegung und Zielgerichtetheit geprägt ist und in dem Verweilen meist an Konsum und Kurzweiligkeit gebunden ist – erlauben sich die Tänzerinnen, mit ihren Objekten einzuziehen und sich Zeit dabei zu lassen. Während sich die Körper und Objekte in und miteinander stetig verwandeln, spielen die Tänzerinnen mit den ambivalenten Bedürfnissen von Sichtbarkeit und Rückzug, Ordnung und Unordnung, Schutz und Verletzlichkeit – fragil, tastend, offen. So entsteht eine paradoxe Geste – Rückzug als Einladung, sich dem Bedürfnis nach Ruhe, Zuhause und Innenraum auch im Außen hinzugeben.
Was brauchen wir, um uns geborgen – uns zuhause zu fühlen?